20er
Soziales

Welt in Läden - Exotische Shoppingtour durch Innsbruck

Foto: Gerhard Berger


Wenn wieder ein neues Kaufhaus in der Landeshauptstadt eröffnet, soll neben architektonischen Besonderheiten vor allem das vielfältige Warenangebot als Kundenmagnet dienen. Beim ersten Schaufensterbummel reduziert sich das breite Angebot regelmäßig auf Altbekanntes. Besondere Waren finden sich jedoch nicht unter einem Dach, sondern in vielen Kleinläden, die quer durch die Stadt verteilt sind. MARTHA FUCHS UND EVA JANOVSKY








Fernöstliche Köstlichkeiten


Das Wort Kim bedeutet in etwa „Schmuck“ oder „Glanz“. Völlig zu Unrecht scheint der Asialaden an der Universitätsbrücke diesen Namen zu tragen. Einfache Holzregale, in denen Säckchen, Gläser und Dosen in allen Farben geschlichtet sind, bestimmen den Raum. Auf der obersten Ablagefläche stapeln sich Kartons bis zur Decke, Gemüse wird in Kisten angeboten. Erst beim genauen Schmökern weiß man plötzlich, was hier glänzt. Im Kim gibt es lukullische Perlen, die sonst nirgends in der ganzen Stadt zu finden sind. Die einzeln abgepackten Glückskekse, in denen sich ein Spruch für die Beschenkten befindet, sind auch bei den Tirolern nicht mehr unbekannt. Doch wer probierte schon einmal Ingwerchutney oder weiße Sesampaste? Ein Tamarindengetränk ist ebenso wie die zu Konfekt verarbeitete Version dieser asiatischen Frucht erhältlich. Im Kühlregal liegen Kräuter wie frischer Koriander, „Holy Basil“ oder „Chinese Morning Glory“. Tiefgekühlt findet sich ein gut sortiertes Angebot an Fisch und Meeresfrüchten. Auch das Singha-Thai-Beer, das Thailandreisenden bekannt ist, fehlt hier nicht. Nichtasiatische Waren sucht man im Kim vergebens. Sogar indisches Butterschmalz, Rosenwasser für ausgewählte Desserts oder getrocknete Bockshornkleesamen zählen zum umfangreichen Sortiment. Die Fülle an unbekannten Waren weckt die Lust auf Kochexperimente. Für Rezepttipps und Zubereitungshinweise bleiben der schüchternen Verkäuferin leider keine Zeit. Immer wieder huscht sie von den Kartons, die sie gerade ausräumt, weg, um Kunden an der Kassa zu bedienen. Vom Betrieb der Familie Lo werden auch etliche asiatische Restaurants in Tirol beliefert. Die Waren stammen von einem Großhändler aus Deutschland und werden nicht direkt aus den Herstellerländern bezogen.


KIM – Groß- und Einzelhandel asiatischer Lebensmittel
Blasius-Hueber-Straße 16
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9.00 bis 19.00 Uhr; Samstag 9.00 bis 18.00 Uhr


 


Krimsekt und Kaviar


„Viele kommen einfach zum Unterhalten, vor allem die Studenten von der Uni“, erklärt Olga Dubrovin, Besitzerin der „Russischen Spezialitäten“ in der Meinhardstraße. Das kleine russische Geschäft mit der schweren Holztür, in die Zwiebeltürme geschnitzt sind, ist sowohl Treffpunkt als auch Anlaufstelle für Krimsekt und Kaviar. „Wir verkaufen nur echt russische Sachen“, meint Olga, die das Geschäft 2003 von ihrem Mann übernommen hat. Ein Blick in die Regale unterstreicht ihre Worte, kyrillische Schriftzeichen, wohin das Auge blickt. Neben vielen Süßwaren und Teekringeln findet sich jede Menge Putinka sowie russisches Bier. „Das ist echter russischer Wodka, kein Fusel“, bemerkt die blonde Russin. „Oh, da kommt schon meine nächste Kundin.“ Eine junge Frau betritt den russischen Spezialitätenladen. Olga Dubrovin begrüßt ihre Stammkundin überschwänglich in ihrer Muttersprache. Exilrussen nutzen gerne die Möglichkeit, sich bei Dubrovin einen Bissen oder Schluck alte Heimat zu besorgen. Diesmal ist es gar eine Großbestellung, die mit vereinten Kräften ins Auto geladen wird. „Bei uns gibt es eben alles, was hier fehlt, was man seit seiner Kindheit kennt“, berichtet Olga über ihr Sortiment. So finden sich neben zahlreichen Lebensmitteln auch viele russische Bücher im Regal. „Die Kundschaft ist so 50:50, ein Teil kommt aus der ehemaligen Sowjetunion, der andere sind Einheimische“, erzählt Olga und bereitet Kaffee zu, den sie als Service für ihre Kunden betrachtet, ebenso wie Kaviarbrot und Maisstäbchen. Ein weiterer Kunde betritt das Geschäft, Olga begrüßt ihn wie einen alten Bekannten und gibt ihm einen Plastiksack, den er umgehend mit jeder Menge grün verpackter Zuckerln füllt. Der kühle Wind, der durch die Meinhardstraße pfeift, und die Wanduhr, deren Ziffernblatt Putin und Medwedew zeigen, lassen mitten in Innsbruck Moskauflair aufkommen.


Russische Spezialitäten
Meinhardstraße 15
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10.00 bis 18.30 Uhr; Samstag 10.00 bis 14.00 Uhr


 



Afrikanisches Allerlei


Seit einigen Jahren schätzen nicht nur „Schwarze Einheimische“ sondern auch gebürtige Tiroler das Angebot von Viviennes Africashop in der Jahnstraße. In der Nähe des Zeughauses erhält man neben afrikanischen Spezialitäten, einigen europäischen „Kuckuckseiern“ wie Zipfer-Bier, vor allem besondere Haarpflegeprodukte für Lockenmähnen. „Unsere Haare haben eine völlig andere Struktur als die von Europäern. Diese Produkte machen die Locken erst kämmbar. Bei mir kaufen viele Mütter von Mischlingskindern ein – Mulatten haben nämlich die gleiche Haarstruktur wie Schwarze“, erklärt Vivienne lachend. Die junge Verkäuferin sitzt entspannt auf einem blauen Klappstuhl angelehnt an eine alte Tiefkühltruhe. Von der Decke hängen Haarteile in verschiedenen Farben, in Glasvitrinen sind große Plastikcremetiegel gestapelt, daneben liegen „Skin White Products“, die die Haut aufhellen sollen. Lange grobmaschige Plastikbänder in allen Farben baumeln hinter dem Ladentisch an der Wand. „Das verwenden wir beim Duschen. Wir Schwarzen mögen keine weichen Waschlappen. Bei uns wird ordentlich geschrubbt“, lacht Vivienne. Anstrengendes Rechnen bleibt Kunden des Afroladens erspart: Sämtliche Preise enden vor der Kommastelle. Mühsam wird es allerdings für Vivienne, wenn Kunden ein Speiseöl oder die afrikanische Ovomaltine haben möchten. Dann muss sie ihre Stehleiter aufstellen, um zu den obersten Regalböden zu gelangen. Und morgens, so verrät sie, komme es schon mal vor, dass sie zu spät dran ist. Deshalb seien die Öffnungszeiten als ungefähre Angaben zu verstehen. Neben verschiedenen Reissorten, Hülsenfrüchten und getrockneten Salzwasserfischen zählt besonders FuFu, aus Kochbananen oder Süßkartoffeln hergestelltes Mehl, zu den Verkaufshits.


African International Shop
Jahnstraße 37
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag ab ca. 9.30 bis 20.00 Uhr



Genüsse des Orients


Große Kisten mit Birnen, Tomaten und länglichen Wassermelonen umgeben den Eingang zu „Ölmez
Supermarkt“ in der Heiliggeiststraße. „Wir haben besonders große Kirschen, die man nur bei uns kaufen kann“, erklärt Ölmez Erdal, der Besitzer des Ladens. „Auch das gibt es nur bei uns, das sind Mispeln, saftig und süß“, beschreibt er eine kleine Frucht, die an heimische Marillen erinnert. Im Gang mit Gemüse und Obst sind zahlreiche Gewürzgläser zu finden. „Gewürze werden bei uns besonders gern gekauft, weil wir viele aus dem arabischen und südländischen Raum haben, die auch sehr günstig sind“, beschreibt Ölmez seine beliebten Waren. Eine junge Frau mit Koffer geht nach Reiseproviant suchend durch die Reihen. „Quer durch“ sei die Kundschaft, geradezu international, betont der junge Ladenbesitzer. Die Internationalität spiegelt sich auch bei den dargebotenen Produkten wider, die in verschiedenen Sprachen beschriftet sind. Im hinteren Bereich des Geschäfts unterhält sich der hauseigene Fleischhauer mit einer Kundin, einer schwarz verschleierten Türkin. Geduldig erklärt der Angestellte die Fleischstücke, die in der großen Kühlvitrine aneinandergereiht liegen. In der Kühlwarenabteilung ist neben Käse in der Kilo-Dose auch Joghurt in 3.000-Gramm-Tiegeln zu finden. In den Regalen stehen die Produkte dicht an dicht, wobei auf den zweiten Blick erkennbar ist, was Ölmez Kunden bevorzugen. Ganze Reihen sind gefüllt mit Oliven und Nüssen. „Wir führen auch Produkte aus dem asiatischen Raum“, beschreibt Ölmez’ seine Palette und zeigt auf eine Teepackung, die mit chinesischen Schriftzeichen beschriftet ist. „Wir haben ebenso Fleisch, Obst und Gemüse von Tiroler Bauern“, merkt er an. Auch Haushaltswaren gibt es zu kaufen sowie große Fladenbrote und Kaugummis, deren Geschmacksrichtung nur durch die Abbildung der Frucht auf der Packung zu erahnen ist.


Ölmez Supermarkt
Heiliggeiststraße 21
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8.00 bis 19.00 Uhr; Samstag 8.00 bis 18.00 Uhr


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